Abenteuer Umzug – Teil 3

Nachdem der Mietvertrag unter Dach und Fach war konnte nun damit begonnen werden den Umzug zu planen. Am 2. Februar sollte alles in einem Rutsch über die Bühne gehen,  nach der Vertragsunterzeichnung Mitte Januar blieben uns ca. 2 Wochen um alles vorzubereiten.

Bereits 2 Tage nach Vertragsunterzeichnung konnte ich die Wohnungsschlüssel vom Hausmeister (hier auch oft als Super bezeichnet) entgegen nehmen, so dass wir mit dem bitter nötigen Wohnungsputz starten konnten. In der gesamten Wohnung ist (abgesehen vom gekachelten Bad) ein schicker Parkett Fußboden verlegt, dieser wurde im Rahmen der Renovierungsarbeiten abgeschliffen und neu versiegelt mit dem Resultat, dass alles mit einer dünnen Staubschicht überzogen war – ALLES, selbst die neue Küche inklusive Herd und Kühlschrank. Wir mussten unter Anderem die Wände, Fenster, Armaturen und natürlich auch den Fußboden selber wischen, das Zeug war überall. Nur dafür haben wir uns beide einen ganzen Tag Urlaub genommen, der mit einer kleinen Shopping Tour begann, schließlich mussten die Putz-Utensilien erst ein mal gekauft werden. Wer mich kennt weiß, dass ich kein großer Freund von Einkaufstouren bin. Bereits leicht genervt ging es also an die Schmutzbeseitigung. 6 Stunden später war der letzte Mob ausgewrungen und die Wohnung blitze blank. Soweit so gut, nun konnten wir uns um den eigentlichen Umzug kümmern.

Da wir schon für Maklergebühr, Kaution und erste Miete tief in die Tasche greifen durften haben wir uns den Gedanken ein Umzugsunternehmen zu engagieren relativ schnell wieder aus dem Kopf geschlagen. Stattdessen haben wir uns einen mini-LKW gemietet, den meine Schwägerin später tapfer durch die Strassen der Bronx und Manhattan manövrieren würde. Ich konnte nicht selber fahren da mein Führerschein hier nicht wirklich gültig ist und ich mich noch nicht darum gekümmert habe hier eine Drivers Licence zu bekommen. Zum Einen hatte ich bisher noch keine Motivation mich damit zu beschäftigen und zum Anderen haben wir eh kein Auto (und derzeit auch keinen Bedarf, wenn wir was transportieren müssen tut es auch ein Taxi – und die Parkplatzsituation in Inwood ist katastrophal).

Zurück zum Thema. Man unterschätzt immer, wie viel Kram man hat. Auch wenn wir nur Schlafzimmermöbel für uns und Gabriel sowie ein kleines Sofa zu transportieren hatten mussten wir schnell feststellen, dass in den Wandschränken eine Menge Zeugs versteckt war, dass wir nicht auf der Rechnung hatten. Auch ich habe in meinem ersten Jahr in New York das ein oder andere sperrige Ding (hauptsächlich Gesellschaftsspiele, Spielkonsole und HiFi-Zeugs) gekauft. Also haben wir uns Kartons von überall besorgt und alles nach und nach verpackt, meistens abends nach der Arbeit wenn man so richtig heiß darauf ist. Ich nutze Umzüge immer gerne um mich von Ballast zu trennen und schmeiße viel unnützem Kram weg, Ghaidy tat sich damit allerdings deutlich schwerer als ich. Aber letzten Endes konnte ich sie doch oft überzeugen,z.B. dass eine defekte Lampe auch in der neuen Wohnung wohl kaum repariert werden würde.

Bereits eine Woche vor dem Umzug habe ich das Wichtigste erledigt – den Internetanschluss eingerichtet. Das ging erstaunlich schnell, nur 4 Tage vergingen zwischen Bestellung und Anschluss des Modems. Uns sollte ein voll funktionstüchtiges WLAN in der neuen Wohnung erwarten – vor allem für mich war das wichtig da ich so von Anfang an die Möglichkeit hatte auch von zu Hause aus zu arbeiten. Besonders in den ersten 2 Wochen war das nicht irrelevant, da noch Kleinigkeiten vom Hausmeister zu erledigen waren und neu angeschaffte Möbel (mehr dazu in Teil 4) angeliefert wurden und ich so keinen Urlaub nehmen musste. Hat schon Vorteile einen IT Arbeitsplatz zu haben.

Der Umzug selber verlief relativ reibungslos, auch wenn der gemietete LKW bis zum Bersten gefüllt war, aber es passte so gut wie alles rein. Kleinigkeiten haben wir später aus der alten Wohnung geholt – zwischenzeitlich hat sich meine Schwägerin dazu entschieden die alte Wohnung zu behalten, also saß uns die Zeit nicht mehr im Nacken. Die Verluste blieben gering, meine Kommode hat es nur schwer angeschlagen überlebt, aber sonst ging nichts weiter zu Bruch. In knapp 6 Stunden haben wir alles ein- und wieder ausgeladen (raus aus dem 3. und rein in den 5. Stock – wobei hier der 1. Stock das Erdgeschoss ist, anders als in Deutschland) und waren dementsprechend müde. Nach getaner Arbeit haben wir es uns auf dem Fußboden im Wohnzimmer „gemütlich“ gemacht und zusammen einen Happen gegessen.

Nach getaner Arbeit erst mal nen Happen essen

Nach getaner Arbeit erst mal nen Happen essen

Nachdem die Helfer uns unserer neuen Wohnung überlassen haben war der Tag für mich natürlich noch nicht vorbei denn die Betten mussten noch aufgebaut werden. Das war allerdings auch bitter nötig, denn wir waren alle geschafft und sollten schlafen wie ein Stein.

Am Ende des Tages nen kühlen Cubra Libre...

Am Ende des Tages nen kühlen Cubra Libre…

Schaut in den nächsten Tagen wieder rein für den letzten Teil der Reihe Abenteuer Umzug in dem ich mich mit Möbelbeschaffung und und Deko-Details befassen werde.

Abenteuer Umzug – Teil 2

Miguel – so heißt der Makler, der uns letzten Endes helfen konnte. Auch er musste uns zuvor unzählige Wohnungen zeigen. Witzigerweise musste er die Wohnung, für die wir uns am Ende entschieden haben, sogar 2x zeigen. Warum? Nun, mit dem Anfangsbudget von maximal $1600 fiel sie einfach hinten runter, da sie das Budget überschreiten würde. Mit der Anpassung des Budgets an die Realität des Wohnungsmarktes rückte sie aber knapp 6 Wochen später wieder in den Fokus, zwar auch da an der Obergrenze, aber durchaus im Rahmen des Machbaren. Mir gefiel die Wohnung schon bei der ersten Besichtigung, musste mich aber geschlagen geben da Madam sa noch nicht am Budget drehen wollte. Die zweite Besichtigubg auf einem Freitagabend nach der Arbeit fiel ins Wasser, da der Hausmeister erst nicht aufzutreiben war und dann nach 1.5 Stunden Wartezeit den Schlüssel nicht finden konnte. Am folgenden Montag war dann ein Schlüssel gefunden, zwar nicht der Vermisste – das Schloss wurde zwischenzeitlich ausgetauscht, aber das war uns egal, denn wir konnten uns die Wohnung nun doch endlich noch einmal in Erinnerung rufen. Die Warterei machte sich bezahlt.

Wie passt das ins Bild mit meiner vorherigen Aussage, dass Wohnungen nur 3-4 Wochen auf dem Markt sind? Nun, zwischenzeitlich war die Wohnung schon weg, da aber Renovierungsarbeiten länger dauerten als gedacht und die potenziellen neuen Mieter nicht warten konnten wurde sie kurzfristig wieder frei, so dass wir eine komplett renovierte, (weitestgehend) einzugsbereite Wohnung vorfanden, die für die Wohngegend günstig war mit ausreichend Platz für alle und außerdem eine richtig gute Verkehrsanbindung in der näheren Umgebung hat. Direkt nebenan ist einer der größten Parks in NY, Spielplätze und diverse Geschäfte sind auch nicht weit.

Kleine Randnotiz über die Auswüchse des Wohnungmarktes hier: in einem Gespräch mit dem Makler erfuhren wir, dass wir eine günstige Zeit für die Wohnungssuche erwischt hatten, denn im Winter sind die Mieten ca. 25%-35% niedriger als im Sommer – da die Nachfrage im Sommer noch größer ist als sowieso schon. Krasses Beispiel für die Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage…

Okay, DIE Wohnung war also nun gefunden, nun mussten wir nur noch die Bewerbungsprozedur be- und überstehen. Nicht weniger als 6 Seiten mussten ausgefüllt werden, Kopien von Ausweispapieren, Gehaltsabrechnungen und allerlei andere Nachweise inklusive. Es fühlte such an als ob man sich regelrecht nackig machen musste, so extrem habe ich das aus Oldenburg nicht in Erunnerung. Nebenbei durften wir danb noch $60 für unseren eigenen Kredit-Check berappen – da ich bis dato noch immer keine Kreditbewertung hatte war es für uns eine kleine Zitterpartie, aber es sollte zum Glück alles klappen.

Die nächste Etappe führte uns mit der Bahn nach New Rochelle zum Hauptsitz des Vermieters. Dafür nimmt man natürlich gerne einen Urlaubstag, warum auch alles per Post oder vor Ort erledigen. Man ist ja schließlich der Bittsteller, meiner Meinung nach ein weiteres Zeichen dafür wie umkämpft der Wohnungsmarkt ist. Miethaie haben es schlicht nicht nötig sich zu bewegen. Nun gut, es ist so wie es ist. Papiere werden unterzeichnet, eine Monatsmiete für den Makler, eine als Kaution und natürlich die erste Miete selber werden mal eben so fällig. Besser man denkt nicht weiter darüber nach, vor allem da ja der Umzug an sich noch bevorsteht – in Teil 3 😛

Abenteuer Umzug – Teil 1

Nachdem der Umzug in die ersten eigenen gemieteten 4 Wände in New York über die Bühne gebracht wurde komme ich jetzt (endlich) dazu das ganze Spektakel niederzuschreiben.

ERSTER AKT (DRAMA)

Seinen Anfang nahm das Schauspiel bereits im September 2012, als meine Frau die Recherche aufnahm. Geplant war den Umzug zum 1.2.2013 vollzogen zu haben, dementsprechend wurde der zusammen mit Ghaidy’s Schwester bestehende Mietvertrag fristgerecht zum 31.1. gekündigt. Soweit so gut, das war der einfache Teil.

Wie findet man eine Wohnung in New York? Sicherlich gibt es hier eine Menge Wohnungen um die über 8 Millionen Menschen vor Wind und Wetter zu schützen, aber es soll ja (1) nicht irgendeine Bruchbude sein, sie sollte (2) bezahlbar sein, (3) ausreichend Platz bieten und (4) nebenbei auch noch ideal für alle 3 Familienmitglieder gelegen sein. Was meine ich mit dem letzten Punkt? Nun, wir nehmen jeden Morgen öffentliche Verkehrsmittel in komplett entgegengesetzte Richtungen um zur Arbeit zu gelangen. Gabriels Schule sollte außerdem grob auf Ghaidy’s Arbeitsweg liegen. Dementsprechend muss die neue Wohnung also gute Anbindungen an Bus und U-Bahn haben und möglichst (zeitlich gesehen) in der Mitte unserer Arbeitsplätze liegen, damit keiner benachteiligt wird und (noch mehr) Zeit verliert beim Pendeln. Uns war klar dass wir nicht allzuviele Optionen zur Auswahl haben würden…

Wir haben lange gebraucht um uns auf die am wenigsten ungünstige Gegend zu einigen, das Abwägen von Vor- und Nachteilen spielte immer eine große Rolle. Anfangs wurde alles rund um den Bedford Park Boulevard in der Bronx abgegrast, zum Schluss hat sich aber dann Inwood (mein Favorit von Anfang an…) an der Nordspitze von Manhattan als eierlegende Wollmilchsau für uns herausgestellt, auch wenn wir dafür deutlich tiefer in Schwester Finanzias Taschen greifen mussten. Das Budget stellte sich natürlich ganz klammheimlich als ein weiterer Stolperstein heraus, den wir anfangs nicht ausreichend durchdacht bzw. falsch eingeschätz haben. Pro Tip – wenn man ausreichend Platz (nix besonderes, 3ZBK für 3 Personen) in einer angenehmen Gegend haben will kommt man mit $1500 nicht weit, es hat ca. 20 Besichtigungen gebraucht bis wir das verstanden haben…

Der aufmerksame Leser ahnt wahrscheinlich schon, dass wir im Laufe der Zeit eine Menge Wohnungen zu Gesicht bekamen, die uns nicht zusagten – teils zu klein oder die Raumaufteilung war alles andere als praktisch, teils zu runtergekommen, oder aber wir wurden schlicht und ergreifend versetzt und bekamen  die Apartments gar nicht erst zu sehen. Doch alles der Reihe nach, um einen Besichtigungstermin zu bekommen muss man erst ein mal wissen wo man suchen muss. Wir haben es Anfangs mit Craigs List versucht, was am ehesten dem Kleinanzeiger der NWZ entspricht – nur online, und nicht klein. Monatelang hat überwiegend Ghaidy zuvor genannte Webseite belagert, stets auf der Suche nach einem Schnäppchen. Problem dabei ist der Wohnungsmarkt in New York – hier gibt es keine Schnäppchen, der Markt ist so umkämpft das selbst die übelste Absteige kaum länger als 3-4 Wochen auf dem Markt ist. Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot. Eine weitere wertvolle Lektion, die wir nur widerwillig und langsam lernen wollten…

Total demotiviert, frustriert und arg genervt waren wir Ende Dezember noch keinen Schritt näher Richtung unserer neuen Wohnung. Es musste sich bald etwas tun, schliesslich bestand das Mietverhältnis in der alten Wohnung nur noch bis Ende Januar. Es gab nur einen Ausweg – einen, den wir wahrscheinlich zu unrecht lange vermeiden wollten: Maklerbüros. Warum? Die Maklergebühr, in New York generell zwischen einer vollen Monatsmiete und 15% der Jahresmiete – Geld das wir gerne hätten sparen wollen…

Wie es weiter geht erfahrt ihr in Teil 2 von Abenteuer Umzug 😛

Die Ruhe nach dem Sturm/Hurricane

New York hat’s ziemlich erwischt. Der Metro Betrieb ist unterhalb der 34th Street bis auf weiteres undenkbar, zahlreiche U-Bahn Stationen sind komplett unter Wasser. Die Busse fahren teilweise, aber nicht im vollem Umfang.

Die zwei größten Probleme stellen aber im Moment die massiven Stromausfälle überall sowie Benzinknappheit dar. Letzteres führt dazu, dass die Leute, die keinen Strom haben, zusätzlich keinen Treibstoff für ihre Stromgeneratoren auftreiben können. Schlangen an den Tankstellen gehen gerne mal um 2 Blocks – die Spritpreise sind natürlich dementsprechend auch nicht gerade auf Normalstand.

Flüge sind zum Grossteil gestrichen, 2 der 4 Flughäfen in der Gegend sind geschlossen, die anderen 2 (Newark (New Jersey) und J.F.K.) nur zum Teil im Betrieb.

Um mal eine Zahl in den Raum zu werfen: 50% meiner Kollegen haben derzeit keinen Strom in ihren Wohnungen, und das wohl auch mindestens die nächste Woche noch. Die Schäden, die Sandy angerichtet hat, sind beispiellos. Alle Schulen in New York sind diese Woche geschlossen, da die Schäden einfach zu massiv sind.

Nicht nur das, auch der Verkehr in Manhattan ist so ausser Kontrolle, dass der Bürgermeister eine Mindestbesatzung in Fahrzeugen festgelegt hat: wenn nicht mindestens 3 Personen transportiert werden ist der Zugang zu Manhattan über die zahlreichen Brücken untersagt. In einem Fernsehbericht sah ich eine Frau, die 3 Stunden in einem Bus zubrachte gestern für eine Strecke, die zu Fuss in 45 Minuten bewältigt werden kann.

Die Zahl der Todesopfer steigt stetig, die meisten wurden von Bäumen erschlagen – was nicht verwundert, überall sieht man umgeknickte Bäume – ein paar Wenige sind ertrunken. In Queens gibt es eine komplett abgebrannte Nachbarschaft, um die 100 Häuser vielen einem massiven Feuer zum Opfer – und zwar bis auf die Grundmauern, viel mehr als Umrisse auf dem Boden ist nicht erhalten geblieben, da der Wind das Feuer so stark angetrieben hat.

Erste Fälle von Plünderungen haben nun auch die Runde in den Medien gemacht, aber bisher sind das noch Ausnahmen. Schauen wir mal, wie es weiter geht, ich werde hier wohl noch das ein oder andere Update bringen. Wenn man schon mal „mittendrin statt nur dabei“ ist kann man anderen vermitteln, wie es hier gerade aussieht…

*EDIT 2012/11/02*

Hab hier mal die 2 Artikel aus meinem Kommentar verlinkt:

Hier ein Artikel zur Klimadiskussion.

Zusammenfassung der Schaeden aus der New York Times hier.

Sandy

Wer ist Sandy? Nun, die meisten werden es wohl in den Nachrichten gesehen haben. Sandy ist der Hurricane, der New York am Montagabend heimgesucht hat. Da ich schon die ein oder andere Mail-Wohlseinsanfrage bekommen habe gibts hier ein kurzes Update für alle:

Dort, wo ich wohne (E205th Street, Bronx), sind die Auswirkungen von Sandy minimal. Wir haben weder mit extremen Wassermengen noch mit Stromausfällen zu kämpfen. Klar, das Licht hat ab und zu mal kurz geflackert, aber das war es dann auch schon. Anders hat es wohl Manhattan und alle anderen Gebiete getroffen, die näher am Wasser gelegen sind. Ein Kollege in Queens kann nur noch durch den Hintereingang in sein Haus, 2 Bäume blockieren den Haupteingang. Andere haben keinen Strom. Eines haben wir alle gemein: der Weg zur Arbeit ist blockiert, sei es durch die Sperrung sämtlicher Brücken oder die öffentlichen Verkehrsmittel, die Sonntag abend bereits ihren Betrieb eingestellt haben (bis auf Weiteres…).

Schulen sind gestern und heute geschlossen, ob morgen der Unterricht wieder stattfindet steht in den Sternen. Ghaidys Büro ist komplett geschlossen, was aber auch nicht weiter verwundert wenn es im Überflutungsgebiet von Manhattan gelegen ist. Soweit ich weiß ist die gesamte Wallstreet gesperrt, also auch ihr Bürogebäude.

Am stärksten war der Wind bei uns zwischen 20 und 21 Uhr, aber viel mehr als ne steife Briese für nen Ostfriesen war das bei uns nicht. Der Hurricane ist zum Glück südlich von New York an Land gegangen, so dass wir „nur“ unmittelbar davon betroffen waren. Der Sog, der einem Hurricane folgt, ist für die Überflutungen verantwortlich, der mitgebrachte Regen hielt sich in Grenzen.

Was die nächsten Tage bringen weiß ich nicht, aber es gibt auf keinen Fall Grund zur Sorge. Uns gehts gut, und auch wenn ich ein paar Tage von zu Hause aus arbeiten muss gibt es keinen Grund zum klagen.

Bilder… habe ich keine, schlichtweg weils hier keine Auswirkungen gibt, also bleibt euch nur google oder youtube. Bleibt nur noch zu sagen „stay safe!“

*UPDATE* Wer zu faul ist selbst zu suchen, hier gibts beeindruckende Bilder.

Baseball

Jupp, ich war im Stadion und habe mir ein komplettes Baseball Spiel angeschaut. Zum Glück nicht alleine, sondern mein Kollege Ivan hat mich „mitgenommen“ und mir ganz nebenbei die Regeln so gut es ging erklärt, denn wie wahrscheinlich die meisten Deutschen habe auch ich keinen Schimmer davon, was genau da unten eigentlich passiert.

Als Heimmannschafft treten die allseits bekannten New York Yankees an – laut Aussage einiger meiner (anderen, nicht Yankees-Fan) Kollegen gehe ich stark davon aus, dass sie das Gegenstück zu Bayern München in der Baseball-Liga sind. Mit 27 Titeln das erfolgreichste und vom Kader her auch teuerste Team. Dementsprechend haben sie sich vor ein paar Jahren einen neuen Tempel gebaut, in dem sich die Fans nach allen Regeln der Kunst ihrem Fandasein hingeben können – oder anders gesagt sich das Geld aus den Taschen ziehen lasse können. Neben der Größe und Monumentalität des Gebäudes war ich vor allem davon beeindruckt, wie viel Merchandising, Bars, Restaurants, Logen, Geschäfte, und Stände man in einem Stadion unterbringen kann. Natürlich muss ich auch erwähnen, dass ein Museum und ein Geschäft für unverschämt teure Erinnerungsgegenstände wie unterschriebene Baseballs und der gleichen im Stadion beherbergt werden. Je nachdem welche Kategorie das Ticket hat, mit dem man sich Einlass erkauft hat, stehen einem verschiedene Bereiche zur Verfügung. Zum Beispiel war ein Restaurant nur Clubmitgliedern vorbehalten, eine Bar dagegen für alle Dauerkartenbesitzer geöffnet. Wir konnten weder das eine noch das andere betreten. Aber auch ohne diese Lokalitäten stand uns eine Fülle von Möglichkeiten bereit, unsere Dollars loszuwerden.

Essen beschränkt sich im Stadion nicht wie bei Fussball meist auf Pommes und Bratwurst – ich habe irgendwann aufgehört mir zu merken, was es alles gab. Ich erinnere mich aber noch an Sushi, Pizza, Hotdogs, Hamburger, Pommes, Knobi-Pommes (welche ich letzten Endes gegessen habe – und sie waren großartig!), Steaks, diverses mexikanisches Essen und und und. Auch gab es diverse Getränkestände, 2 Drittel davon Bierstände. Neben dem Hauptsponsor Budweiser hab es auch richtiges Bier zu kaufen, unter anderem eine kleine Auswahl zusammengefasst unter dem Titel „Beers of the world“ – Guiness, Heineken, Becks und Presidente (aus der Dom Rep) um ein paar zu nennen. Das ganze zu einem sportlichen Preis von 9 bis 12 Dollar pro Becher.

Das Spiel selber ist relativ „entspannt“, es gibt kaum Atemstillstandsmomente. Nach einigen Erklärungen habe ich sogar Ansätze von Taktik erkannt. Was verwundert ist, dass viele Fans das Spiel nach ca. 6 von 9 Innings (quasi Runden) verlassen – egal ob die favorisierte Mannschaft nun gewinnt oder verliert. Generell kann ein Spiel beliebig lange dauern, laut Auskunft von Ivan aber meistens zwischen 3 und 4 Stunden. In unserem Fall dauerte das Spiel von 13 bis ca. 17 Uhr, also um die 4 Stunden. Die Yankees haben verloren, was aber wohl nicht viel ausmacht, denn die anderen 3 Spiele gegen Texas diese Woche haben sie gewonnen. Ich habe zwar nicht ganz verstanden, warum es 4 Spiele gegeneinander an darauffolgenden Tagen gab anstatt der üblichen 3 (Gewertet wird üblicherweise Best out of 3), aber so oder so haben die Yankees unterm Strich diese Runde für sich entscheiden können.

Während des Spiels herrscht ziemlich viel Bewegung im Stadion, Menschen laufen umher um Biervorräte aufzufüllen, sich an den etlichen Fastfood-Ständen zu stärken oder dem Ruf der Natur zu folgen. Anders als beim Fussball ist es wohl nicht ganz so wichtig, alles mitzubekommen. Bei einer Spielzeit von 4 Stunden aber auch irgendwo nachvollziehbar.

Zwischen den Innings kommen immer wieder kurze Belustigungen für die Zuschauer auf einer riesigen Videowand, unter anderem werden einzelne Leute aus dem Publikum in Großaufnahme gezeigt, dazu Musik gespielt, Gutscheine verlost und wichtige historische Momente der Mannschaft gezeigt. Unterm Strich wird das Publikum mehr mit in das Gesamtgeschehen einbezogen als beim heimischen Fussball, zumindest war das mein Eindruck.

Natürlich darf eine Prise Patriotismus nicht fehlen, zu Anfang wird die Nationalhymne gespielt, im letzten Drittel wurde dann „God bless America“ ausgepackt um allen sich derzeit im Krieg befindlichen Soldaten bzw. amerikanischen Helden zu huldigen. Speziell, aber nicht weiter verwunderlich hier in Amerika. Im krassen Gegensatz dazu steht dann die YMCA Tanzeinlage der Unglücklichen, die zwischen den Innings die Bahnen wieder glattziehen dürfen. Brot und Spiele.

Generell kann ich jedem empfehlen, sich das ganze anzusehen wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Amerikanischer wird er wohl nur bei einem Football Spiel, welches noch auf meiner To-Do Liste steht. Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß (was ich definitiv meinem Kollegen zu verdanken habe) und nun eine Idee davon, worum es bei dem Spiel geht: Bier und Essen, was natürlich jeder Fan abstreiten wird, aber für den Großteil der im Stadion Anwesenden wohl zutrifft. Go Yankees!

Eine sinnvolle Tätigkeit

Nach gut 2 Wochen in meinem neuen Job bin ich weiterhin schwer begeistert. Da mehrfach die Frage aufkam, was ich eigentlich mache hier mal ein kleiner Einblick in meine (bisherigen) Tätigkeiten.

Der aufmerksame Leser weiß bereits, dass ich für ein großes Krankenhaus arbeite. Kontakt mit Patienten werde ich aber zu keinem Zeitpunkt haben und das ist auch gut so. Mein Aufgabenbereich umfasst potentiell alles, was mit Patientendaten, (Kranken-) Versicherungsstatus und Kostenabrechnung im entferntesten Sinne zu tun hat.

 Alles was jetzt kommt ist eine Laienhafte Darstellung, mag eventuell sogar falsch sein. Soll aber als kleiner Einstieg in die Materie helfen um einen groben Eindruck zu vermitteln.

Das Gesundheitssystem funktioniert hier anders, aus meiner bisherigen Sicht deutlich schlechter als ich es in Deutschland gewohnt bin. Eine „gute“ Krankenversicherung ist meistens an einen guten Job gebunden, man erhält sie unter anderem als Bonus und nicht oft sind diese zusätzlichen Boni, die ein Arbeitgeber bietet, maßgeblich für die Wahl des Arbeitsplatzes hier. Generell gibt es in Amerika keine Krankenversicherngspflicht, also kann man das Risiko eingehen und sich die Versicherungskosten „sparen“. Meistens ist das aber eine dumme Idee, denn sobald man den Arzt aufsuchen muss kann es sehr schnell sehr teuer werden. Arztrechnungen für gar nicht sooo kompliziertere Geschichten werden schnell 5 bis 6 stellig. Veile können sich eine Krankenversicherung nicht leisten. Selbst wenn man versichert ist hat man bei durchschnittlich guten Versicherungen gerne mal eine Selbstbeteiligung von 20% – bei schweren, langwierigen Krankheiten ist man also nahe am finanziellen Ruin.

Das Krankenhaus, für das ich arbeite, ist in der Bronx ansässig, einem der ärmsten Gebiete in ganz Amerika. Das bedeutet auch, dass es viele Härtefälle gibt, die trotz aller finanzieller Wiedrigkeiten medizinisch versorgt werden müssen. Für Rentner und andere Härtefälle gibt es zwar verschiedene staatliche Hilfen, aber auch diese decken nicht 100% der Kosten ab. Die Abrechnung möglichst aller Kosten ist essentiell für das Weiterbestehen des Krankenhauses, dass direkt mit dem Staat, Ärzten und Versicherungen zusammenarbeitet, oft über eine Pro-Kopf Pauschale. Diese Pauschalen sind sehr niedrig, sie werden aber unabhängig davon gezahlt, ob ein Patient in einem Abrechnungszeitraum tatsächlich Hilfe benötigt hat oder nicht. Ansatz hier ist also, die Patienten so gesund wie möglich zu halten, so dass sie erst gar nicht den Arzt oder gar die Notaufnahme aufsuchen müssen, denn das erzeugt zu hohe Kosten. Dies geschieht sowohl durch Aufklärung/Bildung der Patienten als auch durch steten Kontakt zu Risikogruppen, so dass Folgeerkrankungen möglichst verhindert werden und alles sofort zu einem frühen Zeitpunkt (günstig) kuriert werden kann. Besonders häufige Erkrankungen sind Diabetes (äußerst erschreckend – über 45% der Bevölkerung in der Bronx haben durch Ernährung bedingte Diabetes!) sowie Erkrankungen der Lungen. Gerade die Diabetes Patienten können durch gezielte Information über ihre Krankheit soweit versorgt werden, dass Arztbesuche wegen Unterzuckerung nicht an der Tagesordnung sind.

Warum diese Einführung. Nun, um zu wissen welcher Patient welche Krankheit hat oder welche Behandlungen unverhältnismäßig häufig vorkommen benötigt man gut auswertbare und lesbare Daten über eben jene Patienten oder Erkrankungen. Hier kommen meine Kollegen und ich ins Spiel. Unsere Aufgabe ist es aus diversen Datensammlungen und verschiedensten Quellen genau diese Daten zu sammeln, filtern und soweit aufzubereiten, dass sie an anderer Stelle ausgewertet werden können.

Ein erstes kleines Projekt, an dem ich beteiligt war, hier mal als Beispiel. Aufgrund der hohen Armut in der Bronx gibt es natürlich auch obdachlose Patienten. Immer wenn einer dieser Patienten in der Notaufnahme angenommen wird muss ein Sozialarbeiter benachrichtigt werden, das ist vom Gesetzt her so vorgeschrieben. Das Ganze muss automatisch geschehen. Jeder, der in der Notaufnahme arbeitet, muss sofort eine Notiz auf seinem Bildschirm erhalten, wenn eine Medical Record Number (MRN, sowas wie eine Kundennummer für Patienten) in das System eingetragen wird, die zu einem dieser bekannten Obdachlosen gehört. Außerdem muss automatisch eine E-Mail an einen Sozialarbeiter geschickt werden, die Informationen zu dem Patienten enthält. Dieses bestehende System wurde nun erweitert, für festgelegte Ereignisse können nun Informationen für den Sozialarbeiter hinterlegt werden, die direkt in die Benachrichtigungs-E-Mail integriert werden. Ein Beispiel dafür wäre: Patient XY taucht in der Notaufnahme auf, wird im System erfasst und der Sozialarbeiter YZ erhält direkt eine Mail, in der er über eine Allergie gegen ein spezielles Medikament informiert wird. Meine Aufgabe hier war es, die Datenbank dafür zu erstellen, außerdem sicherzustellen, dass nur ein aktiver Eintrag für ein definiertes Ereignis im System existieren kann. Für eine spätere Nachverfolgung gibt es außerdem eine Sicherungstabelle, in der automatisch festgehalten wird, wer wann was geändert/gelöscht/eingetragen hat.

Das schöne an meiner Arbeit ist, dass jede Tätigkeit dazu dient Menschen zu helfen. Man hat zu keinem Zeitpunkt Zweifel an dem Zweck seiner Arbeit. Zusammen mit der Motivation und Begeisterung, die meine Kollegen mir tagtäglich entgegenbringen kann ich mir derzeit keinen besseren Job vorstellen. Ich lerne jeden Tag eine Menge über das Gesundheitssystem und natürlich auch handwerkliche Kniffe, die meine Programmierkenntnisse schnell voran treiben.

Momentan genieße ich noch Welpenschutz, mein Schreibtisch ist (leider) noch nicht überhäuft mit Aufgaben und Projekten, aber einen kleinen Ausblick auf kommende Projekte für mich habe ich schon bekommen, und die hören sich verdammt interessant an. Um abschließend meinen Gemütszustand mit einem Wort zusammenzufassen: glücklich.

Shopocalypse

Auch wenn Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist – und den Eindruck habe ich mittlerweile wirklich – muss man sich an die Spielregeln halten. Eine Regel sticht dabei ganz besonders heraus, die des 1. Eindrucks. Mir scheint, dass Äußerlichkeiten hier eine größere Rolle spielen als sonstwo, getreu dem Motto ‚Kleider machen Leute‘. Es gibt hier durchaus Ausnahmen, aber in der Businesswelt wird man diese Ausnahmen eher selten antreffen. Um also einen gewissen Grad an Professionalität zu repräsentieren muss das Outfit stimmen. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht gerade begeistert von diesen Spielregeln bin und man Hemden und Bundfaltenhosen eher selten bis gar nicht in meinem Kleiderschrank findet. Um die Einleitung hier mal zum Ende zu bringen: ich war mit Frau und Kind shoppen…

Wie bereits erwähnt arbeite ich seit einer Woche. Für diese Woche hatte ich brauchbare Klamotten im Schrank und musste also nicht in Lumpen zur Arbeit gehen. Aber man geht natürlich nicht immer mit den gleichen Kleidungsstücken zur Arbeit, es muss eine Varianz her, das Kostümkontingent muss erhöht werden. Wann also besser neue Sachen kaufen als am ersten Samstag nach einer ereignisreichen und aufregenden Woche? Total übermüdet, arg vom Heuschnupfen geplagt und mit meiner natürlichen Abneigung gegen Einkaufsmeilen ging es also um 14 Uhr los – so dass ich auch das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Euro 2012 nicht sehen konnte. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, was sich der Leser wahrscheinlich bereits gedacht hat…

Erstes Ziel war die 59th Street, auch bekannt als Columbus Circle. Die Ausbeute dort war eher mager, so dass die Einkaufstour in der 34th Street fortgesetzt wurde, allgemein in NY als (Touristen-)Einkaufsmeile bekannt, unter anderem findet man hier Macy’s (das größte Kaufhaus der Welt soweit ich weiß) und das Empire State Building. Auf der Einkaufsliste ganz oben standen elegante Herrenschuhe, gefolgt von Hemden und Hosen. Die Schuhe stellten sich als größte Herausforderung heraus, erst gegen 20 Uhr war das passende Paar gefunden. Hosen in meiner Größe scheinen entweder rar oder sehr begehrt zu sein, wahrscheinlich ist der Durchschnittsammi fülliger als ich es bin, so dass ich nur ein passendes Paar fand. Hemden dagegen waren schneller aufzutreiben, H&M war diesbezüglich meine Rettung.

Da die Einkaufstour in Form eines Familientrips durchgeführt wurde galt es natürlich auch, den Nachwuchs zu beschäftigen, denn der war genau so begeistert von der Aktion wie sein alter Herr. In unserem Fall stellt sich ein iPod als moderner Allrounder heraus, gibt man ihm Musik auf die Ohren ist er glücklich und zufrieden, wenn auch leicht abwesend und deutlich lauter sprechend als es denn nötig wäre. Zusätzliche Herausforderungen waren Nahrungsaufnahme und Verrichtung der Notdurft, tendenziell wird natürlich erst nach einer Toilette gefragt wenn es eigentlich schon zu spät ist. Unterm Strich gab es aber keine Verluste und niemand blieb auf der Strecke.

Fazit des Ganzen: 1 Paar Schuhe, 3 passende Hemden, 1 nicht passendes Hemd (wird zurückgegeben), 1 neue Hose, 8 Paar passende Socken, 1 leeres Portemonnaie, 7.5 verbrauchte Stunden und 3 arg genervte und erschöpfte Personen.

Ausblick auf die Zukunft: Größen sind nun bekannt, also können neue Ergänzungen der Sammlung online erworben werden – oder meine Frau geht in ihrer Mittagspause einkaufen. Ich werde so schnell nicht wieder an einer derartigen Freizeitaktivität teilnehmen 😉

 

Anpassungen

Hallo zusammen. Habe den Blog ein bisschen angepasst.

  • Auf der rechten Seite findet ihr nun direkte Links zu älteren Einträgen
  • Ihr habt nun die Möglichkeit per E-Mail Benachrichtigung über neue Einträge informiert zu werden. Dafür einfach E-Mail Adresse hinterlassen und auf Folgen klicken.
  • Falls ihr dem Blog per RSS Feed folgen wollt findet ihr dazu die entsprechenden Links wie alles andere auch auf der rechten Seite.

Ich weiß nicht wie sich die Arbeitswelt auf meinen Blog auswirken wird. Eventuell hab ich mehr zu schreiben, eventuell weniger Zeit – ich weiß es noch nicht. Ich suche derzeit noch nach einem Weg hier (ohne WordPress selber auf meiner eigenen Seite aufzusetzen) automatisch neue Fotos von Instagram als Eintrag hochzuladen. Falls jemand eine Idee dazu hat wäre ich für jeden Hinweis dankbar.

Lohn und Brot

Endlich ist es soweit, die ersten Tage der ersten Arbeit in den USA liegen hinter mir. Zeit also, nun endlich alles mal zu Pixel zu bringen. Fangen wir also dort an, wo alles begann – im Februar.

Vorstellungsgespräch. Nervös. Rausgeputzt natürlich auch. Im Schlepptau eine nahezu leere Laptoptasche, in der ein paar Unterlagen (Zeugnisse, Urkunden etc.) untergebracht sind mangels einer anderen, halbwegs seriösen Alternative. Man will ja professionell wirken. Die Route mühsam im Internet recherchiert, und nach nur 2 Stunden (teils verfranst, teils verpeilt) trotzdem früh genug da, man kennt sich ja und hat großzügig geplant. Beim Vorstellungsgespräch in gemütlicher Runde (4 Leute + einer in der Telefonkonferenz) zum Glück einen guten Eindruck hinterlassen. Die Woche darauf ein 2. Gespräch unter 4 Augen, die Direktorin der Abteilung konnte beim 1. Gespräch nicht dabei sein. Erste mündliche Zusage erhalten, wir schreiben immer noch Februar. Problematik: keine Arbeitserlaubnis in Sicht.

Monate des Wartens, irgendwann kommt dann tatsächlich die Arbeitserlaubnis und der Arbeitgeber ist weiterhin an mir interessiert. Also Arbeitserlaubnis direkt eingescannt und weitergeleitet sowie gehofft, dass es bald losgehen kann. Falsch gedacht.

Backgroundcheck und andere bürokratische Hindernisse zögern alles noch ein mal einen weiteren Monat hinaus. Da ich für ein Krankenhaus tätig bin war außerdem eine medizinische Untersuchung obligatorisch, inklusive Drogentest. Aber was macht man nicht alles (z.B. öfter in einen Becher pinkeln als in den letzten 10 Jahren zusammen in der kurzen Zeit, die ich in New York wohne…). Nervigster Teil an der Untersuchung ist der Test auf Tuberkolosis. Da ich nie geimpft wurde war das Testergebnis natürlich negativ, so wie man sich das wünscht. Eigentlich sollte man denken man ist damit durch, aber nein – nicht amerikanische Staaten stellen natürlich ein großes Risiko dar, besonders Entwicklungsländer wie Deutschland – es wurden also 2 Tests durchgeführt, einer im linken, einer im rechten Arm. Tote TBC Zellen unter die Haut gespritzt zu bekommen ist dabei auch nicht unbedingt die angenehmste Tätigkeit, die man sich so vorstellen kann. Bei der medizinischen Untersuchung gab es zudem einen Fragebogen der u.a. so witzige Fragen wie „waren sie häufiger als 7 Tage pro Jahr krank in den vergangenen 3 Jahren“ oder „waren sie jemals in psychologischer Behandlung“ – man fragt sich, ob das so in Deutschland auch denkbar wäre ohne einen großen Sturm der Entrüstung. Aber nun gut. Irgendwann gab es dann tatsächlich ein offizielles Jobangebot – so eins mit Butter bei die Fische – man beachte aber keinen Arbeitsvertrag. Bis heute habe ich keinen bekommen. Einen Kollegen dazu befragt erhielt ich die Antwort, dass so etwas hier nicht üblich sei. Man arbeite in beiderseitigem Einverständnis. Na dann…

Orientierungstage, oder, wie kriege ich 2 volle Arbeitstage bezahlt für 8 Stunden Anwesenheit. Da, wie bereits erwähnt, ich in einem Krankenhaus angestellt bin als – ich konnte es selber kaum glauben – Senior Data Analyst waren die meisten Vorträge eher nicht für mich gedacht, auf Grund von rechtlichen Vorgaben muss ich aber über diverse Dinge informiert werden. Patientenrechte, Umgang mit Gehörlosen und Krankenhaushygiene waren zum Beispiel Thema. Naja, man soll sich nicht beschweren über Arbeitstage, an denen man um 10 Uhr da sein muss und um 15 Uhr wieder gehen darf (inklusive einstündiger Mittagspause), zumal man sie voll bezahlt bekommt. Trotzdem verschwendete Zeit.

Mittwoch war also mein erster Arbeitstag. Der Wecker klingelte um 6 Uhr als wenn nichts dabei wäre, leicht schlaftrunken also ins Bad getaumelt und erstmal Wasser über die Omme bis man wach ist. Das ging dank kalten Wassers erstaunlich schnell. Erste Herausforderung des Tages: seriöse Verkleidung anziehen ohne das es lächerlich wirkt. Okay, Ghaidy hat mir im Vorfeld immer wieder Vorträge darüber erteilt, wie wichtig hier in den USA das äußerliche Erscheinungsbild ist und dementsprechend war ich Klamottentechnisch vorbereitet. Ein modischer Kurzhaarschnitt tat sein übriges, so dass ich selber 2x in den Spiegel gucken muss morgens wer denn da steht. Eventuell gewöhne ich mich daran, wir werden sehen.

Der mühsame Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln war mir noch in Erinnerung, also habe ich großzügig geplant und war überpünktlich um 8 Uhr im Büro, eine halbe Stunde früher als erwartet. Dort wurde ich herzlichst begrüßt von wirklich sehr netten Kollegen, die den ganzen Tag über immer wieder ihre Hilfe anboten und fragten, ob ich Kuchen oder Tee oder sonstwas haben möchte. Mittags wurde ich zum Essen eingeladen und auch sonst nahm sich jeder mindestens 15 Minuten Zeit, um einen kurzen Schwatz mit dem Neuen zu halten. Die Story, wie ich meine Frau kennengelernt habe, durfte ich also mehrmals zum Besten geben.

Mein Arbeitsplatz selber ist ein sogenannter Cubicle, also ein (nicht soo) kleiner Box-ähnlicher Bereich mit Schreibtisch und Trennwänden. 12 von diesen Arbeitsplätzen gibt es in dem Büro, derzeit sind davon 10 besetzt. Rundherum gibt es eine handvoll Einzelbüros für die „bewehrteren“ Kollegen bzw. das Führungspersonal. Gut klimatisiert und beleuchtet, ausgerüstet mit Besprechungsraum, Kühlschrank, Mikrowelle und Kaffeemaschine (bzw, heißem Wasser für mich als Teetrinker) und niedrigem Geräuschpegel kann man es dort gut aushalten.

Einige Kollegen verbrachten ein wenig Zeit damit nach alternativen Routen für meinen Weg zur Arbeit zu suchen, den Tip einen anderen Bus zu nehmen habe ich am zweiten Tag gleich genutzt und damit direkt knapp 20 Minuten pro Strecke gespart. An diesem kleinen Beispiel kann man schon erkennen, dass ich mich dort einfach nur wohlfühlen kann. Generell herrscht eine sehr lockere, motivierend positive und zuvorkommende Grundstimmung – mal schauen, ob sich daran zu Stresszeiten etwas ändert.

Da es sich um ein ziemlich großes Krankenhaus handelt (mit mehreren Standorten, insgesamt ca. 18.000 Angestelle) gibt es natürlich gleich mehrere Anlaufstellen für neue Mitarbeiter. Man braucht einen Schlüssel, Telefon, Login für den Computer, Rechte für Software und und und. Erstaunlicherweise war das meiste davon tatsächlich schon vorhanden oder vorbereitet, so dass ich am ersten Tag bereits ein wenig zu Werke gehen konnte – womit ich nach Auskunft meiner Kollegen der Erste in der Abteilung war, der jemals dazu kam.

Komisch ist es schon, am „anderen Ende“ des Monitors zu sitzen – also als User, nicht als Administrator – vor allem ohne Administratorsrechte am eigenen Arbeitsplatz-PC. Aber, zum Glück gibt es ja Portable Apps, so dass ich nicht lange gezwungen war, den IE 6 (!!) zu benutzen…

Also, das Fazit der ersten 2 „richtigen“ und 2 „geschenkten“ Tage ist durchweg pure Begeisterung. Sowohl von der Umgebung, der Materie als auch der Möglichkeiten, die sich mir bieten, bin ich schlicht und ergreifend glücklich. Dafür „verkleidet“ man sich dann auch gerne 😉